Almunecar September 2001

Nachdem Roland und Klaus (Ich) im Frühjahr schon einmal bei Herbert Flugbetreuung gebucht hatten, haben Tanja und ich beschlossen noch einmal runterzufliegen und von 14 Tagen Urlaub 7 Tage Flugberteuung bei Herbert zu buchen.

Leider hatte ich mich beim letzten Flug beim ST im August an der Schulter verletzt und es war nicht klar, ob ich überhaupt in die Luft kommen würde. Nach zwei Wochen anstrengender Krankengymnastik habe ich mich dann entschlossen den Schirm doch mitzunehmen.

Iberia kennt leider nicht den GS als Sportgepäck und so mussten wir ganz schön auf das Gesamtgewicht achten. In Düsseldorf war bei der Ankunft am Flughafen ein Riesenchaos, wir dachten erst, es wäre wegen den strengen Sicherheitsmaßnahmen nach dem Angriff in der USA, aber es war „nur“ ein technisches Problem mit dem Gepäckband im neuen Terminal C. Da der GS sowieso nicht auf das Band geht, sind wir zur Sperrgepäckaufgabe geschickt worden und waren nach 10min schon im Sicherheitsbereich – zu früh gefreut- in Malaga angekommen fehlte meine Reisetasche und – oh Schreck – mein GS. Ihr könnt Euch vorstellen wie gut meine Laune war.

Herbert hat uns abgeholt und so sind wir erst einmal nur mit Tanjas Tasche nach Almunecar. Kurz bei Antonio eingecheckt und den Leihwagen klargemacht.

Appartements von Antonio an der Cabria sind aber wie alle Appartments von Herbert so „naja“. Spanisch, sehr einfach, meistens abgewohnt und versifft. Selbst erst mal sauber machen war angesgt.

Mit Herbert haben wir uns am Donnerstag zum Schultertest verabredet. Dienstag haben wir uns Almunecar angeschaut und am Abend kam nach 36 Stunden auch mein Gepäck an. Vielen Dank noch mal an Antonio für seine Hilfe beim Telefonieren mit Iberia. Die konnten übrigens Nichts für die Panne, das Zeug stand die ganze Zeit wegen der Gepäckbandprobleme in Düsseldorf. Mittwoch war ein Regentag, den wir mit einem Ausflug in ein kleines Bergdorf und nach Nerja genutzt haben.

Donnerstag – 1. Flugtag

Ich wollte in der ersten Woche eigentlich noch nicht fliegen gehen und so hatten wir uns zum Aufziehen und zum Schultertest verabredet. Thomas und Cora aus Berlin kamen nochmit, sie waren schon eine Woche da und Thomas hatte schon ein paar sehr schöne Flüge mitgemacht. Von der der Cabria aus sind wir zwei Buchten weiter an einen Soaringhügel gefahren.

Beim Schirmauslegen bekam ich dann doch ein mulmiges Gefühl, ob ich das vier Wochen nach der OP wagen sollte. Ich habe mich für eine RW-Start bereitgemacht, zog die Kappe hoch, dreh mich raus und – oops – ich fliege. Fürs Soaren war zu wenig Wind und so bin ich runterzum Strand den Roland noch von seinem Frühjahrs-beinnahe-Crash kennt. Über dem Strand hatte ich noch zu viel Höhe und bin auf das Meer raus um mit einer ganzen Schleife die Höhe abzubauen. Ein ‚S‘ hätte es auch getan, denn beider Landung kam ich 3 Meter hinter dem Wasser wieder am Strand an.

Knapp, aber ohne nasse Füße und vor allem ohne Probleme mit der Schulter. Thomas kam auch kurz danach runtergesegelt und dann hat Herbert entschieden, dass wirzum Hausberg rauffahren. RW-Start klappte komischerweise wieder sehr gut und raus zum Hausbart. Wie immer flog ich zu schnell (nach Herberts Ansicht) und hatte Probleme die Bärte zu zentrieren. Irgendwann habe ich mich entschlossen zum Plateau zu fliegen und konnte dort locker landen.

Bei Thomas klappte aus auch nicht viel besser und wir entschlossen uns beide noch einmal hoch zu fahren. Diesmal war der Flug etwas länger, da ich mich am
Startberg etwas länger halten konnte. Auf dem Weg zum Plateau bin ich dann in den Beschleuniger, was Herbert als totalen ‚Schmarrn‘ angesehen hat. Er hat ja Recht, durch den Beschleuniger vernichtet ich zu viel Höhe und der Wind war nicht so stark, als dass ich keine Vorwärtsfahrt mehr gehabt hätte.

Thomas war wieder kurz hinter mir, was uns schon den Spitznamen „Pat und Patachon“ eingebracht hatte. Wir sind dann erst einmal Tapas essen gegangen und ich habe beschlossen, das es für den ersten Flugtag genug war. Thomas ist noch einmal rauf zum Hausberg. Beim Schwimmen in der Cabria konnte ich beobachten, wie er sich diesmal gut halten konnte. Herbert hat ihnber Funk in die Cabria-Bucht reingesprochen. Beifall der Badegäste, ein Landebier von Antonio und ein strahlendes Gesicht waren Thomas dann sicher.

Freitag – 2. Flugtag

Ich hatte Herbert gefragt, ob es nicht heute in Orgiva gehen könnte. Thomas hatte letzte Woche dort kein Glück mit dem Wetter gehabt, Ablösung von mehr als 30
km/h waren unstartbar. Nach Orgiva sind wir dann zu fünft gefahren: Hebert, Thomas und Cora, Tanja und Ich. Tanja ist am Landeplatz geblieben, sie kann die Serpentienenfahrerei überhaupt nicht ab.

Oben angekommenhingen am Startberg noch die Wolken, die dann aber schnell stiegen und wir uns für den Start fertig machen konnten. VW-Start war für meine Schulter nicht so toll, es tat doch ganz schön weh beim Aufziehen. Thomasist dicht hinter mir raus, mit seinem langsamen Harmony konnte er noch viel Steigen am Hang mitnehmen und ich hatte nur Saufen, zwischendrin mal einen Null-Schieber, aber Nichts zum Überleben.

Nachdem ich denletzten Berg überquert hatte und die Höhe auf meinem Vario kontrolliert hatte musste ich mich entscheiden: Quer zum Wind das Tal mit seinen Plantagen queren und sich auf der anderen Seite über dem Flussbett zum Landeplatz zu „bescheissen“ oder gegen den Wind direkt zum nahen Flussbett zum Landen. Die Talquerung habe ich mir wegen der nicht vorhandenen Notlandeplätzte nicht zugetraut, so bin ich mit Beschleuniger(diesmal brauchte ich ihn wirklich) zum nahen Flussbett. Dort musste ich mich noch zwischen zwei Hochspannungsleitungen mogeln und bin sicher im trockenen Flussbett gelandet. Thomas hatte zwischenzeitlich viel mehr Höhe als ich, aber die hat er auch genauso schnell wieder abgebaut.

Bei seiner Landung habe ich ihn noch vor den Hochspannungsleitungen gewarnt, und er konnte auch sicher ein paar Meter von mir landen. Nachdem
Herbert uns gefunden hatte und er mich ironisch gefragt hat, ob ich Löcher im Schirm habe, weil ich so abgesoffen bin, sind wir zu Tapas im Local am Landeplatz.

Nach dem Essen sind die Girls zurück zur Basis(Cabria) und Herbert, Thomas und ich rauf zum Berg Luja (1871 m). Leider waren alle drei Startplätze in den Wolken. Wir schauten uns das Wolkenschauspiel eine Zeitlang an. Start war nicht drin, man konnte einfach nicht weit genug ins Tal schauen. Schade eigentlich, wäre ein beeindruckender 18 km langer Gleitflug bis ans Meer geworden mit einem „sportlichem“ Start. 4-5 m um den Schirm aufzuziehen und dann über die Klippen, bei denen es 1500m runter geht. Die Abfahrt vom Berg und der Weg zur Basis haben dann 1.5 Stunden verschlungen. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt fliegen kann, nächste Woche bleibe ich oben


Montag – 3. Flugtag

Chris, ein Pilot aus Freiburg, ist heute mit dabei und wir fahren zuerst nach Otiva. Wind passt dort nicht und so entscheidet Herbert nach Cenes (Nähe Granada) zu fahren. Der Wegführt über die alte Landstrasse durch die Berge dorthin. Am Landeplatz tummeln sich schon einige Piloten, aber es sieht alles so aus als wenn die nur Geleitflüge machen würden. Also fahren wir zum El Purche rauf.

Der Weg ist besser als im Frühjahr und wir sind schnell oben. Wind passt, ausgelegt und los. Der Basis ist recht tief und so soare ich nach meinem RW-Start am Hang und bekomme immer mal wieder Startüberhöhung. Nach Chris‘ Start fliegen wir beide am Hang aneinander vorbei, manchmal finden wir eine Thermikblase und können uns noch höher schrauben, manchmal saufen wir fast ab und müssen uns wieder langsam am Hang wieder hochkämpfen. Nach einer Stunde lande ich aufeinem Acker zwischen El Purche und Cenes und mein Schirm landet in der einzigen Badewanne Spaniens die Wasser als Tränke hat.
Zur Talquerung haben die Bedingungen heute nicht gereicht. Die Basis war einfach zu tief. Chris kommt kurz nach mir rein. Nach einem Tapas-Stopp sind wir noch mal rauf zum El Purche. Wind kommt aber von Rechts mit 90 Grad. Abbruch und Rückfahrt nach Almunecar über Otiva, und siehe da, jetzt passen die Bedingungen dort. Schnell lege ich aus und versuche einen RW Start. Jetzt hat mich bloß meine Technik verlassen, nach zwei Abbrüchen gehe ich VW raus. Das mag ich zwar wegen meiner Schulter gar nicht, ist aber immer noch sicherer als RW bei mir. Chris braucht wieder ewig um sich fertig zu machen und so fliege ich schon 25 min in der klapprigen Otiva-Thermik bis er auch kommt. Er hat bloss die Thermik nach seinem Start abgestellt und so saufen wir geschlossen ab und landen nach 5min. Gibt’s doch gar nicht denke ich. Ende des Flugtages und zurück zum leckeren Essen beim Antonio.

Dienstag – 4. Flugtag

Heute war Orgiva angesagt, hoher Startplatz. Wolkenbasis schön hoch. Ich habe ausgelegt und Chirs hat mir beim Start geholfen. Draußen habe ich einen Bart gefundenund kann mich schön raufschrauben. Chirs kommt nach und wir kreisen umeinander. Nach knapp einer Stunde bin ich wegen leichter Schulterschmerzen (das Perche Gurtzeug ist auch mehr als bescheiden für längere Flüge)zum Landen und habe es wieder nicht zum Landeplatz geschafft. Diesmal bin ich rechtzeitig weg zum gegenüberliegenden Flussbett, auf dem Weg dorthin fällt mein GPS und ich kenne den Groundspeed nicht mehr. Dortangekommen merke ich dass Vorwärts gar Nichts mehr geht und lande im Flussbett neben dem Fluss, der etwas mehr Wasser führt, weil es die Tage noch g eregnet hatte. Leider hätte ich mir die Stelle besser aussuchensollen, denn ich bin in einer Flussschleife gelandet und muss durch das Wasser um zum Landeplatz zu kommen. Pech, das Wasser ist aber warm und der Spott der anderen, als sie meine Schuhe gesehen haben (siehe Bild),könnt ihr Euch bestimmt denken. Die folgende Fahrt zum Adlerhügel war umsonst – Rückenwind, egal war auch so ein schöner Flugtag.



Donnerstag – 5. Flugtag

Chris hatte heute keine Lust mehr, er fliegt morgen nach Freiburg zurück. Wind war Klasse für Otiva, am Landeplatz stehen 15 Schweden in Betreuung von Dirk, einemKumpel von Herbert und noch 5 Piloten unter anderer Betreuung. Das kann ja heiter am Startplatz werden, aber Herbert kennt noch einen Startplatz weiter oben. RW Start klappt mal wieder nicht, also VW raus und dannging es nur noch ziemlich ruppig rauf. An den Antennen (normaler Startplatz) hatte ich schon ca. 50m Startüberhöhung und konnte nur ungläubige Schwedenaugen sehen „Wo kommt der denn her?“ Bis auf 1635m(735m Startüberhöhung) konnte ich mich raufschrauben (siehe Log). Nach einer Zeit kamen auch ein paar gute Schweden und andere Pilotenhoch. Herbert wollte mich zu einem XC-Flug zum Meer verführen, aber ich hattekeine Lust, das alleine zu wagen und wollte lieber noch Thermikfliegen üben. Es hat so viel Spaß gemacht, sich immer wieder hochzuschrauben und dann oben die Kälte zu spüren und rauszufliegen und 300m tiefer wieder
noch oben zu fliegen.

Nach 1:20 wurde machte sich wieder die Schulter bemerkbar und ich bin mit Öhrchen zum Landeplatz. Die Landung war nicht leicht, da vor dem LP noch ziemliches Steigen war. Der Wind drehte am LPpermanent und so musste ich mich ganz schön anstrengen um dort zu landen. Der LP ist wirklich nicht einfach und ich war froh, dass ich dort schon mehrmals geflogen bin und Herberts Einweisung genossen hatte.
Nach meiner Landung wurde der Wind immer stärker und mir taten die Piloten Leid, die jetzt noch dort landen mussten. Nach Tapas sind wir noch zum Hausberg um auch von mir ein Landefoto in der Cabria-Bucht zuschiessen. Herbert ist also schon mal zurück zur Cabria und ich bin gut gestartet und raus zum Plateau. Mit einer schönen Höhe dort angekommen habe ich versucht ohne Funk in der Cabria zu landen.

Funk hatte ich im Auto vergessen. Leider habe ich die Höhe mal wieder verschätzt und zu hoch am Landepunkt am Strand angekommen. Entscheidung: Wasser, Felsen oder links ab ins Feld mit ein paar Bäumen. Links ab ins Feld, voll in denBremsen, gut gelandet nur der Schirm fällt mir in einen Baum, Mist, kein Foto und eine halbe Stunde den Schirm aus dem Baum befreien. Aber besser als an der Felswand oder im Wasser zu hängen.

Sonntag – 6. „Flugtag“

heute konnte Herbert erst so gegen 16:00 Uhr da er am Flughafen noch ein paar Piloten abholen musste. Der eine „Pilot“ hatte gerade mal seinen L-Schein in
der Tasche und einen (!!) 100m Flug hinter sich. Dem hat Herbert dann ganz schnell klar gemacht, dass er nicht beim ihm fliegen kann, weil er noch keinen Schein hat und es viel zu gefährlich ist dort seine ersten Flüge zumachen. Mit dem andere Piloten bin ich dann für meinen letzten Flug rauf auf den Hausberg. Aber ich merkte schon, dass mir die Lust etwas fehlte und mein Start war auch nicht besonders. Der Thermik nah am Berg habe ich mich
verweigert und bin recht schnell zum Landen ans Plateau geflogen. Irgendwie habe ich nach meinem Unfall eine ‚Letzte-Flug-Blockade‘ und möchte, dass mir das nicht noch einmal passiert. Ist es Gott sei Dank auch nicht.


Fazit:
An dem Fazit vom Frühjahr ist nichts auszusetzen, die Gelände sind nicht einfach, aber nach dem zweiten oder dritten Flug in dem jeweiligen Gelände kennt man sich schon ganz gut aus. Herbertist wie immer freundlich und gibt einem viele Tipps und spart auch nicht an Kritik, wenn man mal Mist baut. Seine Wetter- und Geländekenntnisse sind genial, fahrt wirklich nicht ohne Scout, für jeden Tag den ihr fliegen geht.Eine Kurzeinweisung in die Gelände und dann selber fliegen bringt m.E. Nichts. Die lokalen Windsysteme muss man schon länger kennen um sie deuten können. Ich war bestimmt nicht das letzte mal unten. Ich denke aber das nächstemal wird es wieder ein reiner Fliegerurlaub, dem nichtfliegenden Partner kann es doch langweilig werden, man ist doch schon manchmal 8-9 Stunden weg.

stay high,

Klaus

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