Reisebericht Portugal, Algarve, 2008

2008 stand mal wieder die Sommerfrage an: wohin, um Familienurlaub und Gleitschirmfliegen zu kombinieren? Nach einigen Abwägungen kristallisierte sich die Algarve als Familienziel heraus. Aber wird auch fliegerisch genug geboten? Offizielle Information über Fluggebiete, Kontakte, Ansprechpartner sind im Netz noch recht dünn gesät. Einige Recherchen förderten aber durchaus ein paar Fluggebietinfos und Diskussionsbeiträge (wenn auch kontrovers) zutage, die den Ausschlag gaben: auf an die Algarve (s. Links am Ende).

Vorweg: fliegen an der Algarve erfordert einiges an Pioniergeist, ist aber durchaus möglich. Die Windbedingungen am Antlantik sind jedoch nicht immer fliegerfreundlich.

Start vom Monte do Cerro

Die Fluggebietsliste von der „Associação do Vôo Livre de Sintra“ erscheint zwar sehr umfangreich, die angebotenen GPS Koordinaten können aber durchaus schon mal 20 km neben dem Flugelände liegen. Bei einer Suche per GPS ist man dann etwas aufgeschmissen :-). Leider ist die Seite nur auf Portugiesisch verfügbar.

Insbesondere die Küstenfluggebiete unterliegen aufgrund der intensiven Bauaktivitäten zudem permanenten Änderungen: ein eingezeichnetes Fluggebiet kann da schon mal zum Golfplatz mutieren. Überhaupt Golfplätze: wer umsatteln will vom Flieger zum Golfer wird an der Algarve mit Kusshand genommen! Für Golfplätze ist dann auch das sonst ach so knappe Wasser im Überfluss vorhanden. Während wir Flieger unsere robusten All-Terrain Outdoor-Fluggeräte von grobem Schotter starten oder es mit hakeligem und stacheligem Bewuchs zu tun haben, haben die Golfer für das sensible Zehnereisen einen permanent bewässerten, perfekt gestutzten, saftig grünen und unkrautfreien 17mm Rasen…

Aber bevor wir hier in Depression verfallen, es gibt natürlich auch good news. An einigen Küstengebieten ist das Fliegen nach wie vor möglich. Auch das Hinterland hat einiges zu bieten. Hervorheben möchte ich:

1. Monte do Cerro: ein ca. 200m hoher Hügel, der zwischen Loulé und Quarteira liegt und von der Südküste aus gesehen die erste Erhebung darstellt. Der ca 1km breite Hügel ist bei Südlagen laminar angeströmt und lädt zum soaren und zum Thermikfliegen ein. Bei stärkerem Südwind wird leider die gute Thermik verblasen, was nur selten Überhöhungen von mehr als 300m ermöglicht.

Laut Aussagen von einheimischen Fliegern sind bei optimalen Bedingungen jedoch deutlich größere Höhen erzielbar und dann auch gute Streckenflüge ins Landesinnere möglich.

Monte do Cerro

Anfahrt: Treffpunkt ist der Landeplatz. (GPS: N37 06.527 W8 03.931). Den Landeplatz findet man, indem man die N396 von Loulé nach Quarteira zum Bahnhof Loulé verlässt. Am Bahnhof vorbei muss man einmal rechts abbiegen (hier steht ein Schild mit APA-Logo). Nach einigen hundert Metern kommt rechts ein staubiger Platz mit rötlichem Boden. Das ist der Landeplatz.

Landeplatz Monte do Cerro

Start und Landeplatz in Google-Maps

Hier treffen sich in der Regel ab Mittags die einheimischen Piloten und organisieren Auffahrten zum Startplatz (GPS: N37 06.799 W8 03.706). Gastflieger sind hier selten gesehen und werden daher äußerst freundlich aufgenommen. Achtung: mit einem Mietwagen (oder sonstwie hochwertigen Fahrzeug) sollte die Fahrt zum Startplatz nicht angetreten werden. Die zunächst noch fahrbare Schotterpiste verwandelt sich im letzten Stück eher in ein Geröllfeld.

Startplatz Monte do Cerro

Der Startplatz ist großflächig mit Matten ausgelegt, also frei von Geröll und hakeligem Unkraut. Der Start ist bei Südwind unproblematisch für Piloten, die mit stärkerem Wind zurechtkommen. Der Landeplatz ist ebenfalls groß, Aussenlandemöglichkeiten sind vorhanden.

An der ca. 1km breiten Flanke des Monte do Cerro kann bei laminarem Wind endlos gesoart werden! Die Aussicht über die Küste ist phantastisch.

2. Praia da Cordoama: das wohl bekannteste Küstenfluggebiet fast direkt an Portugals Südwestspitze. Bei Nord-Nordwest lagen könnte Cordoama ein tolles Fluggebiet sein – es geht nur zu selten. Der etwas abgelegene und nur über eine Schotterpiste erreichbare Strand ist (bis auf Surfer-Horden) weigehend menschenleer – eine Landung im Sonnenschirmmeer bleibt also erspart.

Anfahrt: N125 bis Vila do Bispo, von dort der Beschilderung „Praia da Cordoama“ folgen. Das letzte Stück ist eine relativ schlechte Wegstrecke (Schotter).

Der Startplatz auf halber Höhe der Küstenkante ist bequem vom Strand zu Fuß erreichbar (Trampelpfad ist sichtbar, am Startplatz weht Flatterband).

Cordoama - Blick von der Klippe auf Startplatz und Landestrand

Startplatz in Google-Maps

Eigentlich bietet Cordoama ideale Bedingungen für die Kombination aus Flug- und Familienurlaub: während sich die Familie am Strand räkelt kann in direkter Nähe geflogen werden. Eigentlich. Denn leider sind die Bedingungen vor Ort selten fliegerfreundlich: an vier Tagen mit N bis NW Windprognose kommt bei mir kein einziger Flug zustande: einmal passt der Wind wunderbar, aber Startplatz und Strand sind im dichten Nebel, der sich auch nach Stunden nicht auflöst. Beim zweiten mal wieder der Nebel – diesmal löst er sich allerdings nach einer Stunde auf. Mit Auflösung des Nebels ist dann auch der Wind weg. Beim dritten Mal taumelt der vorhergesagte 25er NW-Wind zwischen 0 und 5 km/h und dreht dabei auf leeverdächtige Südwest-Richtung. Beim vierten mal ist überall im Umland der NW-Wind gegenwärtig nur in Cordoama ist er wie ausgeschaltet. 🙁

Immerhin entschädigt der tolle Strand und ermöglicht ein weigehend entspanntes Parawaiting. Surfer und Sandburgenbauer kommen voll auf ihre Kosten.

Fazit

Die Algarve bietet potentiell viele Fluggebiete sowohl zum Küstensoaring als auch für thermisches Fliegen im Hinterland. Die ungenaue/fehlende Dokumentation der Gebiete erschwert jedoch die Suche z.T. erheblich.

Hinzu kommt: die atlantischen Bedingungen sind zwar für Surfer häufig optimal, für Flieger jedoch deutlich seltener.

Während meines Aufenthaltes im Juni 2008 herrschte Nordwind als überregionale Lage vor. Dieser Nordwind vermischte sich mit dem an der Südküste entstehenden Seewind zu einer schwer einschätzbaren Konvergenzlage. Vielleicht sind die Bedingungen außerhalb der thermisch aktiven Sommerzeit besser.

Als Gebiet für einen gemischten Familien-/Flugurlaub mit nur gelegentlichen Flugtagen kann ich die Algarve daher nur eingeschränkt empfehlen. Ein reiner Flugurlaub mit kompromissloser Fluggebietssuche bietet wahrscheinlich deutlich mehr Flugvergnügen.

Links

-Roland

 

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